Die Verbrechen an zivilen Opfern aus Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tal Abyad) müssen aufgeklärt werden

Wenige Tage nach dem Beginn des Überfalls auf die Demokratische Förderation Nord- und Ost-Syrien am 09.Oktober 2019 erschütterten Meldungen über schwerste Brandverletzungen in Gesicht, an den Händen, dem Oberkörper und dem Rücken von Kindern und Erwachsenen aus der syrisch-türkischen Grenzstadt Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tal Abyad) die Öffentlichkeit.

Der in der Lêgêrîn-Klinik in Til Temir anwesende Reporter der Times Anthony Loyd berichtet am 18. Oktober, dass dort der am gesamten Oberkörper schwerstverbrannte 13-jährige Mohammed Hamid verzweifelt nach seinem Vater rief und bat, das Brennen zu stoppen und dass es zwanzig Minuten dauerte, bis endlich Morphium seine Schmerzen und Qualen linderte.

Sowohl der Leiter der Lêgêrîn-Klinik, Hesen Emin, als auch Dr. Faris Hemo, Arzt im Krankenhaus von Hesekê, berichten von Hinweisen, wonach bei Angriffen gegen Stadtteile von Serêkaniyê (Ras al-Ain) verbotene chemische Waffen eingesetzt worden sein könnten.

Die Nachrichtenagentur Hawarnews (ANHA) hat Filmmaterial aus dem Weteni-Krankenhaus in Hesekê veröffentlicht, in dem Zivilisten aus Serêkaniyê (Ras al-Ain) behandelt werden. Es sind verstörende Aufnahmen von Kindern und Erwachsenen mit schwerstverbrannten Körpern, die auf den Einsatz chemischer Substanzen hindeuten.

Der britische Experte für Chemiewaffen, Offizier der Britischen Armee und ehemaliger Kommandierender Offizier der „UK’s Joint Chemical, Biological, Radiological and Nuclear Regiment and NATO’s Rapid Reaction CBRN Battalion“, Hamish de Bretton-Gordon, erklärte anhand von Fotografien von Brandopfern gegenüber der Times: „Es sieht so aus, als wären die Verletzungen durch weißen Phosphor verursacht worden. In den letzten 24Stunden wurden mir mehr Fotos mit Verbrennungen dieser Art gezeigt als in irgendeiner anderen Phase des syrischen Krieges.”

Abbas Mansouran, vor Ort tätiger iranisch-schwedische Arzt mit Behandlungserfahrungen von Opfern chemischer Waffen während des Irak-Iran-Krieges, hat einen Bericht verfasst, in dem er nach eigenen Angaben Verdachtsfälle von Chemiewaffeneinsatz durch die türkische Armee beschreibt. Er diagnostiziert, „dass bei vielen Patienten anormale schwere Verbrennungen festzustellen sind. Die Verbrennungen, (…), unterscheiden sich in Form und Aussehen ganz offensichtlich von normalen Verbrennungen. Sie zeigen deutlich, dass Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Ich muss darauf hinweisen, dass in Rojava weißer Phosphor und andere unbekannte Chemikalien eingesetzt worden sind.“ Bisher wird von mindestens 30 derart verletzten Zivilisten berichtet.

Wir bitten um Unterstützung für einen Aufruf an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und ihre Regierungsmitglieder sich unzweifelhaft dafür einzusetzen, dass untersuchende, ermittelnde und richtende Organe der UN diese schwersten körperlichen wie seelischen Verbrechen an Kindern und Erwachsenen in Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tal Abyad) im Norden Syriens umfassend aufklären.

Darüberhinaus soll die Bundesregierung dafür eintreten, dass von UN Expertenteams der OPCW, FFM geklärt wird, ob der von Ärzten geäußerte Verdacht zur verbrecherischen Nutzung von Chemiewaffen berechtigt ist. Verdachtsfällen vom Einsatz phosphorhaltiger Waffen gegen Zivilisten in Wohngebieten muss die OHCR, Syria COI nachgehen.

UN Inspektorinnen und Inspektoren sollen

  • sämtliche Fälle vollständig, transparent und ungehindert ermitteln und untersuchen und alle maßgeblichen Informationen in einem Abschlussbericht veröffentlichen können und dabei
  • durch ein Monitoring-Forum renommierter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begleitet werden,

um den verbrecherischen Einsatz von Kriegswaffen in zivilen Wohngebieten bzw. gegen Zivilisten ohne Angst vor persönlichen Repressalien oder Zensur aufzuklären.

Durch unzweideutiges politisches Engagement der Bundesregierung muss der in den vergangenen Wochen entstandene öffentliche Eindruck widerlegt werden, dass die Spende des Botschafters der Türkei, Şaban Dişli, in Höhe von 30.000 € an die OPWC vom 18.Oktober 2019 oder Gespräche der Botschafter verschiedener Nato-Länder legitime Untersuchungen der Verbrechen in Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tal Abyad) an Zivilisten durch die UN und ihre Organe verhindern und so ihre humanistische Integrität in Zweifel stellen können.

Für die Verantwortlichen der schwersten Verbrennungen an Kindern und Erwachsenen in Serêkaniyê (Ras al-Ain) und Girê Spî (Tal Abyad) muss gleichermaßen gelten, was die Bundesregierung zur Bombardierung ziviler Wohngebiete von Duma und ihrer diesbezüglichen Einsatzbereitschaft zum Ausdruck brachte:

„Der Einsatz von Chemiewaffen darf für die Verantwortlichen nicht folgenlos bleiben, wenn sich solche fürchterlichen Geschehnisse nicht wiederholen sollen. (…) Auch im Sicherheitsrat werden wir uns weiter dafür einsetzen.“ Auswärtiges Amt, PM vom 02.03.2019

Setzen Sie sich nach dem schrecklichen Kriegsgräuel an dem 13-jährigen Mohammed Hamid Mohammed, seiner Familie und den anderen Opfern dafür ein, dass sie wenigstens das geringste Stück Gerechtigkeit durch die Weltgemeinschaft erfahren: eine faire und freie Untersuchung der Untaten, um Verantwortliche vor der Internationalen Gemeinschaft anklagen und Schuldige verurteilen zu können.