Update: Rassistische Ausschreitungen nun in Ankara gegen Syrer:innen

Nach einem tödlich endenden Streit junger Erwachsener kam es in Ankara zu massiven Ausschreitungen gegen Bewohner:innen eines syrischen Geschäftsviertels. Hunderte stürmten Geschäfte, randalierten sogar in Privatwohnungen und vergriffen sich an Familien und ihrem Eigentum. Berichte besagen, das die anwesende Polizei sie zustimmend gewähren ließ.

Bekannt wurde, das ein Mädchen mit einer Kopfverletzung medizinisch behandelt werden musste.

06.08.

Alarmierend: Zunehmend kurdenfeindliche Ausschreitungen in der Ferienregion Antalya

Nach den Morden an sieben Angehörigen einer kurdischen Familie in Konya hat nahe dem bei deutschen Touristen beliebten Ferienort Antalya ein Lynchmob aus hunderten Personen Familien dort saisonal tätiger kurdischer Landarbeiter:innen rassistisch bedroht und mit Steinen und Knüppeln angegriffen.

Hintergrund der Attacken sind die Waldbrände in der Region und unbewiesene Behauptungen politisch Verantwortlicher, die PKK seien die Brandstifter. Medial aufgewiegelt richtet sich die aggressive Bereitschaft zur Selbstjustiz auf die kurdischen Saisonarbeitskräfte.

Zu einem ersten Angriff kam es vergangenes Wochenende. Einem Vorarbeiter wurden dabei die Nase und Rippen gebrochen. Einer der Betroffenen erklärte, die Angreifer hätten geschrien: „Ihr seid Kurden, verschwindet von unserem Land.“

Nach einem zweiten Angriff sind die Landarbeiter:innen, unter ihnen Kinder, offenbar von der Polizei aus dem Dorf Bayralar im Kreis Elmali evakuiert worden.

Ein Familienmitglied erklärte, bei den Angreifern habe es sich um Personen aus den umliegenden Dörfern gehandelt. Sie hätten damit gedroht, dass es „schlimmer als in Konya“ werde, wenn die Kurden die Gegend nicht verlassen. Seiner Frau seien die Zähne ausgeschlagen und selbst die Kinder angegriffen worden.

In Manavgat wurden Passanten von hysterischen Männergruppen mit Gewalt genötigt, ihre Personalien zu zeigen. Ob es neben den traumatischen psychischen Verletzungen auch zu körperlichen gekommen ist, ist nicht bekannt.

Auch der Ko-Vorsitzende des HDP-Kreisverbands von Döşemaltı bei Antalya, Mehmet Deniz, ist von einer bewaffneten Gruppe gestoppt und kontrolliert worden. Am Dienstagabend blockierte sie die Straße im Neubauviertel der Stadt Döşemaltı und verhörten die gestoppten Autofahrer:innen. Auch Mehmet Deniz geriet in diese „Kontrolle“. Er wurde von zwei Männern gestoppt und anschließend von einer Gruppe von zwanzig Personen umstellt. „Als ich sagte, ich sei auf dem Weg nach Hause, fragten sie nach meiner Adresse und meinem Ausweis. Ich sagte, ich hätte ihn nicht dabei. Als ich fragte: ‚Ihr seid keine Soldaten, ihr seid keine Polizisten, was ist das hier?‘, antworteten sie: ‚Wir kennen unser Ziel. Ihr kennt es nicht‘.“ 

Im Kreis Efeler in der westtürkischen Provinz Aydın hat ein rassistischer Mob aus etwa hundert Personen ein Fahrzeug gestoppt, das sie aufgrund des Kennzeichen als ortsfremd erkannten und die darin befindlichen drei Personen angegriffen. Der Übergriff in der Siedlung Umurlu-Emirdoğan wurde offensichtlich mit Tötungsabsicht durchgeführt. Der Mob schlug mit Knüppeln und Schaufeln auf das Auto ein und rief dabei „Vernichtet sie“ und „Macht sie tot“. Die herbeigerufene Militärpolizei nahm die drei Opfer des Angriffs fest. Die Menschenmenge versuchte weiterhin, die Festgenommenen zu erreichen und blockierte zeitweise das Militärpolizeifahrzeug.

Weiter kam es ebenfalls im Raum Antalya zu einem Angriff einer mit Stöcken und Schaufeln bewaffneten Gruppe auf einen Autofahrer, der offenbar fliehen konnte.

Auch in Istanbul kam es zu pogromartigen Szenen, als Männergruppen – bewaffnet mit Stangen und Stöcken – Demonstrierende und Journalisten angriffen.

siehe auch http://jinnews30.xyz/TUM-HABERLER/content/view/169551