Warum musste die 12jährige Fatma sterben?

Als am 16. Februar 2016 zum wiederholten Male eine Ausgangssperre über die Stadt Hezex (türk. Idil) in der nordkurdischen Provinz Şirnex (Şırnak) ausgerufen wurde, war Fatma mit Gleichaltrigen in einem anderen Viertel unterwegs. Nachdem türkische Sicherheitskräfte dort einrückten, flüchtete sie sich Zeugenangaben zufolge in ein Haus. Was dort geschah, soll nicht ermittelt werden! Fest steht für die türkische Justiz gleichwohl, das es zu Recht geschah.

Laut Ermittlungsakte wurde Fatma unter einem Steinhaufen an einem öffentlichen Platz im Stadtzentrum von Hezex gefunden. Neben ihr lagen auch die Leichen von neun!! weiteren Personen. Der Autopsiebericht besagte, dass ihr Tod durch Schusswunden und Verletzungen durch die Explosion von Munition verursacht wurde. Aus welchen Schusswaffen die Projektile abgefeuert wurden, sei aber nicht festzustellen. Dies sei ohnehin überflüssig, da es sich wie bei den anderen Toten auch bei Fatma Elarslan laut den Aussagen einer „anonymen Zeugin” um ein „Mitglied der Organisation” – gemeint ist die PKK – gehandelt hätte, das sich am „gewaltsamen Kampf für Selbstverwaltung” beteiligt haben soll. Es sei festgestellt worden, dass das Mädchen an „bewaffneten Handlungen gegen Polizisten teilnahm” und „bei Zusammenstößen von Sicherheitskräften getötet wurde”.

Allerdings verweist Rechtsanwalt Vesek auf Protokolle der Sicherheitsbehörden zu Zusammenstößen während der Ausgangssperren in Hezex. Laut Polizei habe es auf offener Straße keine einzige Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Gruppen und Sicherheitskräften gegeben. „Wenn es doch selbst den Behörden zufolge keine Zusammenstöße im Freien gegeben hat, um was für eine Operation soll es sich gehandelt haben, in deren Verlauf Fatma Erarslan getötet wurde? Und vor allem: Auf welche Weise wurde das Mädchen getötet?”, fragt der Jurist zu Recht.

http://bianet.org/english/print/226944-anti-terror-law-cannot-be-used-in-murder-of-children