„Meine Tante war eine Heldin“

Nurcan B wurde 1975 im Dorf Heciya (Sulakdere) in Omerya in der nordkurdischen Provinz Mêrdin (Mardin) geboren und lebte bis zum Alter von 13 Jahren dort. 1988, in einer Zeit äußerst brutaler staatlicher Repressionen, migrierte sie mit ihrer Familie nach Adana, wo sie bis 1991 mit ihrer Familie in der Landwirtschaft arbeitete.

Nachdem sie 1999 zur Guerilla ging, wurde sie ein Jahr später, bei einem Gefecht am Berg Kurudere (auch Komirlî, türkisch Nurdağı, Provinz Dîlok/Antep), schwer verletzt. Nurcan B. verlor ein Bein und geriet in Gefangenschaft. Hier wurde sie vier Monate lang auf grausamste Weise gefoltert. Später wurde sie zu 36 Jahren Haft verurteilt. 28 Jahre verbrachte sie in Gefängnissen in Meletî (Malatya), Amasya, Sêwas (Sivas), Albistan (Elbistan), Midyad, Gebze und Balıkesir. Ihre Familie besuchte sie immer.

Nurcan wurde in Haft schwer krank. Sie litt an Zysten, Magengeschwüren, Migräne, diversen Allergien, Herzrhythmusstörungen, niedrigem Blutdruck, einer Nebenniereninsuffizienz und Schwindel. Trotzdem beteiligte sie sich an dem Hungerstreik gegen die Totoalisolation Öcalans im Frühsommer 2019.

Ihre Familie versuchte zu der Zeit, vertreten durch einen Rechtsbeistand vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) aufgrund der gesundheitlichen Situation von Nurcan eine vorzeitige Haftentlassung und die Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken.

Nach 28 Jahren Gefängnis nahm sie sich im Januar 2020 das Leben.

Überarbeiteteter Artikel: https://anfdeutsch.com/frauen/nurcan-war-mit-dem-kampf-verbunden-und-liebte-das-leben-16814