Inhaftierte Daesh ohne Unrechtsbewusstsein

 

„Noch immer halten sich 70.000 Menschen im Flüchtlingslager al Hol im Nordosten Syriens auf. Nach dem Fall des letzten IS-Kalifats Baghouz kamen hier zehntausende IS-Anhänger*innen an. Die Sommerhitze macht die Situation im Camp, das ursprünglich für 20.000 Menschen ausgelegt war, nicht besser. (…)  

Zu dieser humanitär dramatischen Situation kommt der Umstand hinzu, dass in einer eigenen Sektion des Lagers tausende internationale IS-Anhänger*innen mit ihren Kindern leben. Sie warten auf die Rückkehr in ihre Herkunftsländer – oder schmieden Pläne für ein neues Kalifat. Erst kürzlich ergab eine Recherche des Rojava Information Center, dass Frauen mit Hilfe aus Europa – insbesondere aus Deutschland – eine Fundraisingkampagne starteten, um Schlepper zu bezahlen, die sie aus dem Lager holen sollen.

Videos von Kindern, die im Lager IS-Flaggen hissen und Berichte von Journalisten, die mit Steinen beworfen wurden, machen eindrücklich klar: Es findet eine weitere Radikalisierung statt, die Hierarchien aus den alten IS-Kalifaten haben Bestand. Anstelle einer Deradikalisierung, wie sie über psychosoziale Angebote mit den Frauen erreichbar wäre, die auch den Kindern eine Perspektive jenseits des IS aufzeigen könnte, findet eine gegenteilige Entwicklung statt. Eine tickende Zeitbombe.“ Anita Starosta, medico

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